Sicherheit und Lagerung · Kapitel 17
Goldanlage - Goldene Tricks und Skandale

Goldene Yuanbao-Objekte in Nahaufnahme, die in der chinesischen Kultur als Symbol fur Reichtum und Erfolg stehen.
Lerne die beruchtigtsten Betrugsgeschichten kennen, die gutglaubigen Goldkaufern Schaden in Milliardenhohe verursachten - und ziehe daraus deine Lehren.
Missbrauch von Firmennamen der Goldhändler - Der „Fake-Vertreter-Trick"
Die Fake-Vertreter missbrauchen die Namen von Goldhandelsunternehmen. Die Methode funktioniert folgendermassen: Die Betrüger verkaufen beispielsweise Goldsparkonstruktionen mit gefälschten Firmenbriefköpfen und Visitenkarten und geben sich als Vertreter des jeweiligen Unternehmens aus. Das Ziel besteht darin, den getäuschten, in der Regel älteren Kunden Geld abzuluchsen. Die Betrüger werden relativ schnell entlarvt, da sich der Kunde früher oder später beim Unternehmen nach seinen nicht existierenden Goldersparnissen erkundigt, woraufhin eine Anzeige folgt. Allerdings sind die typischen Schadensbeträge so gering, dass sich ein Gerichtsverfahren nicht unbedingt lohnt. Der potenzielle Kunde kann diese Betrugsart am einfachsten erkennen, indem er sich den Personalausweis des Vertreters zeigen lässt und das betreffende Unternehmen anruft, um zu bestätigen, ob die Person tatsächlich dort unter Vertrag steht.
Der „Billig-Gold-Trick"
Die am schwierigsten zu erkennende und wohl gefährlichste Betrugsart. Die Betrüger gründen ein völlig ordnungsgemäss eingetragenes Goldhandelsunternehmen mit ansprechender Webseite, seriöser Marketingkampagne und sogar Lagerbestand und Mitarbeitern. Sie beginnen, Gold zum Einkaufspreis oder leicht darunter anzubieten. Sie sind über einen längeren Zeitraum, teilweise 1-2 Jahre, am Markt präsent und bauen Vertrauen auf. Durch die dauerhaft niedrigen Preise wird ein immer grösserer Teil des Umsatzes zu ihnen umgeleitet. Das einzige Auffällige an ihrer Tätigkeit ist, dass ihr Geschäftsmodell nicht nachhaltig ist: Durch den aggressiven Preiskampf ist ihr Gewinn gleich null, ja, sie „arbeiten typischerweise mit leichtem Verlust". Dies können jedoch nur Branchenkenner erkennen.
Dann liefern sie mit immer längeren Vorlaufzeiten, bis schliesslich „etwas passiert" und das Unternehmen von einem Tag auf den anderen schliesst - typischerweise genau dann, wenn sich viel Kundengeld oder Gold bei ihnen befindet.
Der grösste Betrug, der in Ungarn nach dieser Methode verübt wurde, betraf mehrere Hundert Kunden mit einem Schaden von nahezu einer halben Milliarde Forint.
Der „Trompetenmessing"-Skandal
In Ungarn und wahrscheinlich auch in ganz Europa war der grösste bisherige Goldskandal der Trompetenmessing-Fall. Da zahlreiche Banken, jedoch nur wenige Privatkunden betroffen waren, ist der Fall gut dokumentiert. Es handelte sich eher um einen Urkundenfälschungsfall als um eine eigentliche Goldfälschung. Dies gilt umso mehr, als das Legieren von Gold mit Kupfer leicht durch zerstörungsfreie Prüfverfahren erkennbare Fälschungen ergibt. Allerdings schadete der Skandal dem Ruf des ungarischen Goldhandels und vermutlich auch der Bereitschaft der Anleger, Gold zu kaufen, da er von erheblicher Medienaufmerksamkeit begleitet wurde.
Der „Zins-Trick" oder das „goldene" Schneeballsystem
Wirft Gold Zinsen ab? Physisches Gold, das im Tresor liegt, wirft naturgemäss keine Zinsen ab. Dennoch gibt es Anbieter, die behaupten, auf das bei ihnen hinterlegte Gold Zinsen zu zahlen. Dahinter steckt, dass sie das Gold in Wirklichkeit nicht verwahren, sondern es verkaufen und das Geld „arbeiten lassen", um aus den Erträgen den Einlagenzins zu bezahlen. Es handelt sich also nicht um eine goldgebundene Konstruktion, sondern das Gold dient lediglich als Deckmantel für die Einlagensammlung oder den Aufbau eines Schneeballsystems. Diese Tätigkeit ist illegal, und es empfiehlt sich in jedem Fall, bei der Ungarischen Nationalbank (MNB) nachzufragen bzw. eine Meldung zu erstatten.
Diese Betrugsmethode ist in geringem Umfang ständig präsent. Wenn Gold jedoch in den Medien verstärkte Aufmerksamkeit erfährt - wie beispielsweise während der Finanzkrise -, schalten die „Pyramidenbauer" einen Gang höher.
Kann ich mein Gold gegen Zinsen verleihen?
Ein Goldverleihmarkt im Privatkundenbereich existiert in Ungarn nicht. Wenn du dein Gold verleihst, ist dies gleichbedeutend mit einem Geldverleih. Denn wer Gold leiht, tut dies in der Regel, um es zu verkaufen und damit beispielsweise Schulden zu begleichen.

_Quelle: quandl_
Internationale Investmentbanken und Zentralbanken schliessen untereinander Goldleihgeschäfte ab. Dieser institutionelle Markt steht kleineren Kunden jedoch nicht offen. Seit fast einem Jahrzehnt liegt der institutionelle Goldzins nahe 0%, und die Notierung des sogenannten GOFO (institutioneller Goldzins) wurde 2015 eingestellt.
