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Geht der New Yorker Börse das Gold aus?

Am 24. März 2020 schoss der Preis des physisch lieferbaren April-Goldkontrakts an der New Yorker Warenbörse plötzlich 4 % über den Spotpreis. Es scheint, dass nicht genügend Gold in den Comex-Lagern vorhanden ist.

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Goldtresor Team

· 2 Min. Lesezeit

Geht der New Yorker Börse das Gold aus?

Am 24. März 2020 schoss der Preis des physisch lieferbaren April-Goldkontrakts an der New Yorker Warenbörse — Teil der weltgrössten Terminbörsgruppe — plötzlich 4 % über den Spotpreis. Es scheint, dass nicht genügend Gold in den Comex-Lagern vorhanden ist.

EIN AUSGETROCKNETER PHYSISCHER GOLDMARKT

Goldraffinerien arbeiten aufgrund der Coronavirus-Pandemie mit reduzierter Kapazität oder schliessen vorübergehend. Das Angebot an physischen Goldbarren beginnt vom Markt zu verschwinden, da die zuvor an Händler gelieferten Bestände von Investoren, die ihr Geld in Sicherheit bringen wollen, vollständig aufgekauft wurden. Dies fällt mit Störungen beim Lufttransport von Wertgütern zusammen, sodass es trotz ausreichender Goldvorräte in London schwierig ist, diese nach New York zu transportieren. Es deutet sich an, dass bald noch gravierendere Lieferprobleme entstehen könnten als die des Herbstes 2009 — was die Kapazität der New Yorker Warenbörse zur Versorgung mit physischem Gold betrifft. Dies ist schliesslich eine der wichtigsten Grundlagen für physisch besicherte, börsengehandelte Gold-ETFs.

Obwohl laut den offiziellen Statistiken der Börse gestern lediglich 100.000 Unzen Gold aus dem mit der Börse beauftragten Delaware-Lager abgerufen wurden, schoss der April-Terminpreis dennoch ungewöhnlich weit über den Spotpreis. Vermutlich wurden extrem grosse Abrufe angemeldet, die die Börse nicht bestätigen konnte. Dies dürfte den plötzlichen Schock ausgelöst haben. Laut Reuters-Quellen könnte neben den schwindenden Vorräten auch der Umstand eine Rolle spielen, dass in solchen Fällen üblicherweise Londoner 400-Unzen-Barren per Luftfracht beschafft und zu 100-Unzen-Barren umgegossen werden, die den Börsenspezifikationen entsprechen — wofür derzeit weder Schmelzkapazitäten noch Luftfrachtkapazitäten zur Verfügung stehen.

Händler haben die Comex, die zur CME Group gehört, aufgefordert, die Börsenspezifikationen sofort zu ändern, damit auch in Londoner Lagern verwahrte Goldbarren als physische Lieferung akzeptiert werden können. Die LBMA, die Londoner Goldhändler vertritt, hat ihre Hilfe bei der Lösung des Problems angeboten, da London (vorerst) noch über ausreichend Gold verfügt. Dies würde jedoch eine Änderung der New Yorker Börsenspezifikationen erfordern, was kein Routineverfahren ist, das von heute auf morgen durchgeführt werden kann. Immerhin hat sich die Lage bis heute etwas beruhigt, da der April-Terminpreis den Spotpreis nur noch um 1-2 % überstieg.

Für diejenigen, die über verschiedene FX-Plattformen auf Gold spekulieren, gibt es ebenfalls schlechte Nachrichten: Die Finanzierungskosten (Cost of Carry) von Positionen im XAUUSD-Produkt sind plötzlich extrem teuer geworden und stiegen von den bisherigen 2 % auf bis zu 6-7 %. Darüber hinaus haben viele aufgrund der erhöhten Volatilität die Nachschussanforderungen um rund 50 % angehoben. Die Kosten der längerfristigen physischen Goldlagerung von knapp unter 1 % pro Jahr erscheinen nun geradezu günstig im Vergleich zu den in den Börsenterminpreisen eingepreisten Positionshaltungskosten.

Inzwischen ist auch der österreichische und deutsche physische Goldmarkt vollständig ausgetrocknet: Österreichische Grosshändler und Banken haben ihre Goldvorräte vollständig erschöpft. Deutschlands grösste Online-Goldhändler haben ihre Preise für physisches Gold um mehr als 10 % angehoben, dennoch sind kaum Bestände verfügbar, und weitere Prämienerhöhungen sind zu erwarten.

WAS IST ZU ERWARTEN?

Der globale Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie steht noch bevor, was bedeutet, dass es Wochen oder sogar Monate dauern könnte, bis Raffinerien und Handel wieder anlaufen. Wenn die Flucht in Gold — den einzigen verlässlichen sicheren Hafen — anhält, könnte der Londoner Markt bald denselben Zustand erreichen: Goldbesitzer werden nur noch bereit sein, ihre Bestände zu deutlich höheren Preisen als heute abzugeben, sodass ein Preissprung nicht ausgeschlossen werden kann.

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